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Losnr.:945 (Deutschland bis 1945 (Nicht Reichsbank))
Titel:Flesch-Werke AG für Gerbstoff-Fabrikation und Chemische Produkte
Auflistung:Aktie 1.000 Mark 29.3.1923. Gründeraktie (Auflage 50000, R 11).
Ausruf:350,00 EUR
Ausgabe-
datum:
29.03.1923
Ausgabe-
ort:
Frankfurt a. M.
Abbildung:Flesch-Werke AG für Gerbstoff-Fabrikation und Chemische Produkte
Stücknr.:10160
Info:Die Firma Farb und Gerbstoffwerke Carl Flesch war ein jüdisches Unternehmen, das bereits seit 1885 in Frankfurt ansässig und eines der ältesten Firmen im Frankfurter Industrieviertel war. Es besaß 5388 qm Firmengelände und produzierte für eine Konzern OHG, in deren Händen sowohl Aktienbesitz, als auch die Geschäftsführung der AG lagen. Ihre Gesellschafter waren der Firmengründer Carl Flesch jun., und dessen Sohn Herbert, der Vorstand der AG. Als AG gegründet am 29.3.1923. Es bestanden Werke in Frankfurt a.M. und Oberlahnstein. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten während der Weltwirtschaftskrise unter treuhändischer Verwaltung der Gläubigerbanken. Bereits 1938 begann in Deutschland eine schleichende Judenverfolgung in der Wirtschaft. Es gab noch keine förmlichen Enteignungen, sondern es wurde mit pseudolegalen Mitteln auf Privatbasis versucht, jüdische Unternehmen aus dem Markt zu drängen. Die Gauwirtschaftsberater der NSDAP spielten dabei durch die Anlegung von Firmendossiers und die Einschaltung von Justiz und Gestapo bei den geringsten Steuer und Devisenvergehen sowie durch die Vermittlung von Kaufinteressen eine zentrale Rolle. Die Adlerwerke Frankfurt waren in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Flesch-Werken angesiedelt. Ihr Werk I und II waren durch ein 20.000 qm großes Zwischengelände, das von jüdischen Kleinunternehmen besiedelt war, getrennt. Als die Adlerwerke einen Großauftrag von der Wehrmacht bekamen mußte mit allen Mitteln versucht werden, das Zwischengelände, auf dem auch die Firma Flesch ansässig war, zu bekommen. Herbert Flesch wurde aufgrund einer gezielten Denunziation der Prokuristen bei der Zollfahndungsstelle im Mai 1933 der Auslandspass entzogen, im Sept. 1933 wurde er wegen Devisenvergehens von der Gestapo verhaftet und in zehnmonatige U-Haft genommen. Der Vater Carl Flesch jun. wurde gezwungen zu beantragen seinen Sohn aus der OHG auszuschließen. Nach der Haftentlassung von Herbert Flesch bekam er seinen Auslandspass wieder, wurde aber sofort wegen Landesverrat angezeigt. Nur durch unverzügliche Emigration nach Paris konnte er dem KZ entkommen. 1937 erklärte die Dresdner Bank die Fleschwerke für bankrott und versteigerten die Aktien an die Tochtergesellschaft Hardy & Co., die sie an die Thüringer Gauamtsleiter der NSDAP Staatsrat Otto Eberhard sowie an Carl Goetz, den künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Adlerwerke, weiterveräußerte. Nach und nach wurden alle jüdischen Grundstücke von den Adlerwerken einverleibt. 1939 übernahm das Chemnitzer Unternehmen Zschimmer und Schwarz den Oberlahnsteiner Produktionsstandort. 1941 Umbenennung in Zschimmer & Schwarz Chemische Fabrik und Gerbstoffwerk Oberlahnstein AG. Heute Zschimmer & Schwarz GmbH & Co. KG. (Geschichte aus dem Buch von Ernst Kaiser: "Wir lebten und schliefen zwischen Toten")
Verfügbar:Nur zwei Stücke bekannt. Unheimlich interessante Geschichte. (R 11)
Erhaltung:EF-VF.
Zuschlag:370,00 EUR
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