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Losnr.:1134 (Deutschland bis 1945 (Nicht Reichsbank))
Titel:Preussisch Bengalische Compagnie (Compagnie Royale de Bengale)
Auflistung:Aktie 900 Silbergulden 5.4.1754 (R 9).
Ausruf:7.500,00 EUR
Ausgabe-
datum:
05.04.1754
Ausgabe-
ort:
Emden
Abbildung:Preussisch Bengalische Compagnie (Compagnie Royale de Bengale)
Stücknr.:726
Info:Im 17. und 18. Jh. wurden in fast allen europäischen Ländern Handelsgesellschaften gegründet, um an den enormen Profiten aus dem Handel mit der gerade entdeckten Neuen Welt teilzuhaben. Wegen des Imports von Edelmetallen, Edelsteinen und Gewürzen war vor allem Ostindien bevorzugtes Ziel der Reisen. Die älteste dieser Handelsgesellschaften war die "English East India Company", deren Konzession aus dem Jahr 1600 datiert, gefolgt von der im gleichen Jahr entstandenen "Niederländisch-Ostindischen Compagnie" in Amsterdam. Initiatoren und Kapitalgeber waren zumeist Adlige, auch die gerade herrschenden Regenten beteiligten sich an diesen Geschäften als Aktionäre. Das fiel ihnen leicht, hatten sie doch die einflussreichste Position: eine AG-Gründung war ohne königliche oder kaiserliche Konzession gar nicht möglich. Auch in Preußen blickte man neidisch auf die enormen Gewinne, vor allem der englischen, französischen, niederländischen und spanischen Handelskompagnien. Man versuchte ebenfalls an solchen Geschäften teilzuhaben, aber längst nicht mit dem Erfolg, wie andere Länder. Der Grund für die relative Erfolglosigkeit lag im Fehlen einer schlagkräftigen Marine: Preußen war keine Seemacht, doch ohne Kriegsschiffe und Kanonen ging damals im Überseehandel nichts. Wegen der Seeräuber und der zur Gewaltanwendung ebenso stets bereiten Konkurrenten war ein unbewaffnetes Auftreten in diesen lukrativen Geschäften schlichter Selbstmord. Das erklärt, warum deutsche Gesellschaften erst relativ spät und in sehr geringer Zahl im Überseehandel auftraten. Umso bedeutender ist die 1997 erstmals von uns verauktionierte Aktie der Preussisch Bengalischen Compagnie. Sie entstand etwa zeitgleich mit der 1750 von Friedrich dem Großen privilegierten "Emden und Asiatischen Handlungskompagnie", was auch die Bedeutung Emdens für den preußischen Überseehandel unterstreicht. Es gab sonst nur einen einzigen Vorläufer: die 1647 vom Großen Kurfürsten begründete Ostindische Compagnie. Ohne Hilfe aus den in diesem Geschäft viel sattelfesteren Seemächten ging es nicht: der Initiator der Preussisch Bengalischen Compagnie war mit Harris ein Engländer, und über die Hälfte des Kapitals von 1 Mio. Thalern wurde von Südniederländern gezeichnet. Der Aktientext ist in französisch, entsprechend der in höfischen Kreisen vorherrschenden Mode der Zeit, und lautet übersetzt: "Wir, die unterzeichneten Direktoren der Königlichen Compagnie von Bengalen, errichtet zu Emden und sanctionirt von des Königs von Preussen Majestät, bestätigen, von Monsieur Jean Baptiste van Delft die Summe von 900 Silbergulden erhalten zu haben, für welchen Betrag der genannte Sieur van Delft, oder wer auch immer durch Übertragung Inhaber dieser Aktie wird, mitbeteiligt ist an der gegenwärtigen Expedition der Compagnie mit den Schiff "Heinrich Prinz von Preussen" mit 750 Tonnen unter dem Kommando von Kapitän Matthieu Klinkaert, welches von Emden nach Bengalen und den benachbarten Küsten segeln wird. Wir erklären, durch Ausfertigung der gegenwärtigen Aktie, für uns und unsere Rechtsnachfolger, daß, so bald das genannte Schiff (so Gott will) von den genannten Zielen zurückgekehrt ist und seine Ware, in Übereinstimmung mit der königlichen Konzession, öffentlich verkauft wurde und die Zahlungen eingegangen sind, der genannte Inhaber dieser Aktie alles erhalten wird, was ihm zusteht nach zeitigem und genauen Abschluß der Konten, der erfolgen wird. Zur Bestätigung dessen unterzeichnet und das Siegel der Gesellschaft beigefügt zu Emden am fünften April 1754. - C. Carpentier (Kaufmann aus Gent) und J. Depestre (Bankier aus Brüssel). Ebenso wie die 1765 bereits wieder aufgehobene Emden und Asiatische Handelskompanie war auch der Preussisch Bengalischen Compagnie nur ein kurzes Leben beschieden. Sie bestand nicht einmal 10 Jahre, und bei ihrer Liquidation stellten sich drei Viertel des Kapitals als verloren heraus. Einen letzten Versuch machten 1782 Emdener Kaufleute mit der Gründung einer Ostindischen Compagnie, doch auch diese ging schon 1787 wieder unter: der Versuch Preußens, am lukrativen Überseehandelsgeschäft teilzuhaben, war auf der ganzen Linie gescheitert.
Besonder-heiten:Diese Aktie ist eine kleine Sensation: Galt bis vor einigen Jahren die 1804 ausgegebene Aktie der "Bürger-Ressource-Gesellschaft Hof" als die älteste für Sammler verfügbare deutsche Aktie, so wird dieser Rekord nun von der "Preussisch Bengalischen Compagnie" gleich um ein halbes Jahrhundert eingestellt! Vorgedrucktes Dokument mit handschriftlichen Ergänzungen, Originalunterschriften, großes und sehr schönes papiergedecktes Siegel.
Verfügbar:Eine der interessantesten Raritäten und mit Abstand die überhaupt älteste bekannte deutsche Aktie. Lediglich 6 Stück wurden Ende des 20. Jh. in Belgien gefunden! Papier vom Prägesiegel entfernt, stockfleckig, Papierverlust Ecke unten rechts. (R 9)
Erhaltung:VF-.
Zuschlag:14.000,00 EUR
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