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Vorwort  




Ein Riese wankt

Liebe Sammlerfreunde,

kurz vor Ostern war das die Titelseite des ehrwürdigen Handelsblatts. Der Zufall wollte es, daß in genau derselben Ausgabe der Zeitung ein fast zweiseitiger Artikel über Historische Wertpapiere erschien – dekoriert mit der Abbildung einer über hundert Jahre alten Aktie der Deutschen Bank, die im Februar beim Hanseatischen Sammlerkontor in Hamburg versteigert wurde. Das war auf Seite 40/41 des Handelsblatts vom 29. März.

Ab Seite 50 hat die Zeitung dann ein Special „Krise bei der Deutschen Bank“. Die Überschrift lautet hier „Abschied mit Ansage“, und gleich darunter mokiert sich das Redaktionsteam: „Die Strategie ist weiterhin unklar, der Chef steht mal wieder vor dem Rauswurf.“

Bereits hier zieht der Finanzhistoriker das erste Mal die Stirn kraus. Welche Strategie? Haben die jungen Kollegen vom Handelsblatt denn ihre Hausaufgaben nicht gemacht und die diesbezüglichen Verlautbarungen von Deutschlands größtem Geldhaus studiert?

„Konzernentwicklung war immer ein Thema in der Bank. Die Weiterentwicklung der Bank sowie das Erkennen neuer Trends waren implizit im Leistungskanon der Unternehmensleitung integriert. Strategie war und ist im Grunde ein unkoordinierter, zum Teil intuitiver fortlaufender Prozess. Strategie entzog sich der institutionalisierten und permanenten Bearbeitung und Kontrolle. Fast 150 Jahre Entwicklung zeigen - mit Höhen und Tiefen - dass es auch ohne geht.“

Das hat nicht irgendwer gesagt. Das über 20 Jahre alte Zitat stammt von Hans-Peter Ferslev, damals überall geachteter Chef der von Alfred Herrhausen höchst persönlich so titulierten „Abteilung für Konzernentwicklung“ der Deutschen Bank, der früheren Beteiligungsabteilung.

„Versuche, den Strategieprozess zu ordnen, hat es gegeben. Zu einem Durchbruch kam es nicht. Und auch der AfK wurde, was diese Aufgabe betraf, ein ähnliches Schicksal vorausgesagt. Einen Versuch war es wert.“

Leute aus der Wirtschaftspraxis haben dazu viele schöne Sprüche. „Planung ist der Ersatz des unkontrollierbaren Zufalls durch den kontrollierbaren Irrtum“, ist einer davon. Oder, auch schön: „Statistik ist wie für den Betrunkenen die Laterne. Nicht zur Erleuchtung, sondern zum Festhalten.“ Und, über allem schwebend, die uralte Weisheit: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“

Das ist meiner Meinung nach das Entscheidende. In meiner über vierzigjährigen Berufspraxis und als Quintessenz all meines Wissens als Finanzhistoriker konnte ich eines feststellen: Planung ist schön und sicher auch hilfreich, aber sie bleibt ein Sandkastenspiel, das die spätere Realität regelmäßig mit der Harke geradezieht. Strategie ist auch wunderbar. Dummer Weise fusst Strategie aber auf bestimmten Annahmen, wie sich die Welt entwickelt und wie sich Leute verhalten werden. Frei nach dem Motto „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ tun einem die meisten Leute aber nicht den Gefallen, sich so zu verhalten, wie es der Stratege vorausdenkt. Die Welt tut das schon gar nicht. Sie schickt mal flugs einen Mann mit Eichhörnchenfrisur, den noch vor zwei bis drei Jahren ganz bestimmt kein Stratege auch nur ansatzweise auf dem Schirm hatte.

Das hat Hans-Peter Ferslev schon vor 20 Jahren sehr richtig erkannt. Strategie ist ein unkoordinierter, zum Teil intuitiver fortlaufender Prozess. Ich sage das mal mit meinen Worten: Natürlich kann man die Absicht eines Schiffes, von A nach B zu kommen, als Strategie bezeichnen. Am Ende aber kommt das Schiff von A nach B, indem der Kapitän auf der Brücke immer hübsch nach vorne schaut und auf alles, was er dort sieht, richtig reagiert. Will sagen: Ganz entscheidend sind die Menschen an der Spitze eines Unternehmens, die die Entwicklung steuern. Und schon sind wir wieder bei der alten Weisheit „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“ Die ich übrigens dem rechtschaffenen John Cryan wirklich nicht vorhalten würde. Einigen seiner Vorgänger aber schon.

Nun sind wir also an dem Punkt angekommen, wo das Handelsblatt ein Titelbild wie oben produziert. „Ein Riese wankt,“ eine Formulierung, die ja implizit die Möglichkeit beinhaltet, daß der Riese auch fallen könnte. Dem einen oder anderen mag das schlaflose Nächte bereiten. Mir nicht. Als Finanzhistoriker weiß ich aus Erfahrung, daß auch ein Zusammenbruch der Deutschen Bank (den ich übrigens für mehr als unwahrscheinlich halte) so ziemlich die normalste Sache der Welt wäre. Es braucht dann natürlich ein gutes Krisenmanagement, und die Abwicklung müsste man schon einigermaßen intelligent organisieren. Aber es würde dadurch kein Schaden entstehen. Jedenfalls kein materieller Schaden. Die einzigen eine Volkswirtschaft wirklich schädigenden Ereignisse sind Kriege und Naturkatastrophen. Denn da wird tatsächlich etwas kaputtgemacht. Alles andere, einschließlich der letzten Finanzkrise, sind nur ungewollt, ungeplant und unkoordiniert ablaufende Umverteilungsprozesse. „Das Geld ist nicht weg. Es ist nur woanders.“ Dieser uralte und oft flapsig zitierte Spruch ist in Wirklichkeit die in Stein gemeißelte Wahrheit.

Wenn dann eine Krise stattfindet, ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, diese Krise richte Schaden an. Dieser Irrglaube, dem übrigens regelmäßig auch Politiker erliegen, existiert nur aus einem Grund: Nach einer Krise schreien die Opfer, die bei dem Umverteilungsprozess ein bißchen rasiert wurden, natürlich laut Zeter und Mordio. Die Profiteure der Umverteilung dagegen bleiben mucksmäuschenstill. Ein Beispiel dafür ist unsere Schwesterfirma CS Realwerte AG, die auch fast 10 Jahre nach der letzten Finanzkrise an deren Folgen immer noch blendend verdient.

Hat man das erst einmal verinnerlicht, dann verliert selbst ein möglicher Zusammenbruch der Deutschen Bank vollkommen seinen Schrecken und reduziert sich am Ende auf einen simplen buchhalterischen Vorgang. So wie sich, im Rückspiegel des Finanzhistorikers gesehen, in der Vergangenheit jedes Scheitern eines Unternehmens (Konkurs) oder einer Volkswirtschaft (Staatsbankrott) am Ende auf simple buchhalterische Vorgänge reduzierte, die allerdings massenhaft mit teilweise sehr unerwünschten oder unschönen Umverteilungsprozessen einherzugehen pflegen.

Wenn eine Facebook-Aktie nach dem jüngsten Datenskandal im Kurs zurückgeht, dann schreibt auch hier das ehrwürdige Handelsblatt, die Firma habe X Milliarden an Wert verloren. Was für ein Wert? Echte Werte werden doch nicht dadurch geschaffen, daß ich eine Anzahl Aktien mit einem völlig willkürlichen Börsenkurs multipliziere. Wenn also die Facebook-Aktie im Kurs fällt, dann geht da nichts an Wert verloren. Es war schlicht und ergreifend überhaupt nie da.

Wo wir jetzt sowieso schon bei Facebook sind: Was halten Sie von dem jüngsten Datenskandal um die Firma Cambridge Analytics? Eine Katastrophe? Falsch, sagt da der Historiker. Wir brauchen doch nur erneut in die Vergangenheit zu kucken. Versuche, die Menschen in ihrem Denken und Handeln zu beeinflussen, gibt es schon seit Menschengedenken. Und so lange sich irgendein Mensch irgendeinen Vorteil dadurch ausrechnet, das Denken und Handeln anderer zu beeinflussen, wird es diese Versuche weiter geben. Nur die Methoden ändern sich im Laufe der Zeit, und technischer Fortschritt kann hier tatsächlich besonders schädlich sein. Weshalb ich übrigens bei der Digitalisierung schon lange dafür plädiere, mögliche Weiterentwicklungen einer öffentlichen Kontrolle zu unterwerfen und nichts zu erlauben, was nicht vorher von demokratischen Institutionen einer weitgehenden Folgenanalyse unterzogen und als unbedenklich eingestuft wurde. Aber auf mich hört ja keiner.

Wenn dann öffentliches Zeter und Mordio-Geschrei anhebt ob des Datenskandals bei Facebook, macht das dem Historiker wieder nur ein müdes Lächeln in’s Gesicht. Seine Follower in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen ist doch nun wirklich nichts Neues. Vor 2000 Jahren veranstalteten römische Kaiser regelmäßig Abschlachte- Shows, um das Volk bei Laune zu halten. Vor einem halben Jahrhundert war es noch gang und gäbe, daß am Wahlsonntag der Pastor von der Kanzel aus seine Follower (pardon: die versammelte Gemeinde) ermahnte, für einen guten Christen menschen sei es die einzig mögliche Entscheidung, CDU zu wählen. Ich erinnere mich noch sehr gut, mit welchem Wutgeheule die örtlichen Honoratioren die Kirche verließen, als es unser junger Kaplan zu Zeiten der sozialliberalen Koalition tatsächlich wagte, zu predigen, seine Wahlentscheidung müsse ein guter Christenmensch allein mit seinem Gewissen ausmachen.

Fehler müssen erst einmal gemacht werden, ehe man aus ihnen lernen kann. In dem Sinne: Bleiben Sie gelassen. Die Beschäftigung mit Ihrer Sammlung wird Ihnen dabei stets helfen. Und Ihnen die Erkenntnis bringen: Egal was passiert, die Erde hat sich bisher trotzdem jedes Mal weiter gedreht.

Zum Schluß ein Hinweis in eigener Sache: Von meiner USA-Reise Ende Januar habe ich etliche interessante Einlieferungen von amerikanischen Sammlern der ersten Stunde mitgebracht. Zu den Stücken gibt es viele schöne Firmengeschichten, die wir besonders liebevoll und ausführlich recherchiert haben. Den USA-Teil in diesem Katalog empfehle ich deshalb Ihrer besonderen Aufmerksamkeit.

Schöne Grüße vom Rübenfeld
Ihr Jörg Benecke


 

 

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Grosseinkaufsverein der Kolonialwarenhändler Württembergs eGmbH
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